Heute habe ich wieder Neues von Ghandi, leider auch einiges merkwürdiges.
Zuerst noch ein paar Sätze zum Zeitungsartikel: ihr habt recht, das müssen mehr als 4kg sein, Ghandi ist richtig kräftig, ich würde nicht sagen dick, noch nicht, aber man muss aufpassen. Soo genau nimmt es unser saarländisches Blatt halt nicht mit den Angaben. Das mit dem Welpen ist natürlich Blödsinn, von Anfang an war die Rede von einem ca. 3 jährigen Rüden.
Doch nun zur Hauptperson, die wir heute in Aktion erlebt haben. Ich erzähle mal chronologisch, das geht am schnellsten. Als wir zur vereinbarten Zeit am TH waren, war der Chef noch nicht da. So sprachen wir mit dem Mitarbeiter, der die Zwingerhunde an die Gassigänger und Interessenten ausgibt. Er wusste nichts von unserer Vereinbarung, heute mal mit Ghandi ausgehn zu dürfen. Der Chef hatte ihm nichts davon gesagt und so konnte er uns den Hund auch nicht mitgeben. Soweit ok, der Mann hat seine Vorschriften, also haben wir ihn mal gefragt, wie sich der Kleine denn so verhält beim Spaziergang. Oh, der ist ganz schön wild, besonders mit anderen Hunden und Katzen kann er ja überhaupt nicht leiden. Er ist mal am Katzenhaus (mit einsehbaren Freilaufbereichen) vorbeigegangen, da habe er Ghandi kaum halten können, so wütend war er auf die Mäusejäger.
Das kam für uns recht überraschend, denn wir hatten schon beim allerersten Besuch von unserem Kater berichtet, den auch ein Beagle nicht jagen darf. Damals versprach der Chef, das wäre sicher kein Problem für Ghandi, weil er ja so ein Lieber ist. Wir haben das geglaubt, unsere Labor-Beageline hatte sich nach der Eingewöhnung auch mit dem Kater arrangiert. Liebe war es sicher nicht, aber bis sie zu uns kam, hatte sie auch noch nie eine Katze gesehen.
Ob Ghandi denn leinenführig sei? Nicht direkt, er versucht aus dem Geschirr zu kommen, und Erziehung, also so bei Fuß gehen oder Sitz "machen wir hier nicht". Interessant, bei anderen Tierheimen liest man, was alles mit den Hunden geübt wird. Hier hat doch jemand von der Beagleine im TH Homburg berichtet, die soo viel gerlent hat für das Leben draußen.
Schließlich kam dann der Chef mit Frau und einem anderen Mann, der uns nicht vorgestellt wurde. Wir durften nach kurzer Begrüßung mitkommen in Katzenhaus, wo seine Frau in der Küche schon den Kaffeetisch deckte. Als wir durch die Tür traten, war zunächst kein Ghandi zu sehen, ich wunderte micht schon, bis ich ihn an der Eßgruppe in der Ecke sah. Mit beiden Vorderpfoten auf dem Tisch, die Nase direkt neben dem Teller des unbekannten Mannes, der sich gerade ein Brötchen mit Wurst belegte und dabei Ghandi großzügig bedachte. Dieser Beagle bettelt also nicht am Tisch, er wird gleich mitbeköstigt! Niemand störte sich daran, vielleicht bin ich darin zu sensibel, aber bei uns stand der Hundenapf auf dem Boden in der Ecke...
Erst als ich (nach Aufforderung des Chefs) die Leine vom Haken nahm und damit zu Ghandi trat, konnte ich ihn von den Leckereien weglocken, die Aussicht auf Auslauf war dann doch interessanter. Das mit dem AusLAUF darf man wörtlich nehmen, mir kugelte der Raketenstart fast den Arm aus. Ghandi stürmt los wie Blücher, stoppt abrupt an der nächsten Duftmarke, pinkelt drüber, rennt weiter. Rechts, links und zurück, in einem Tempo dass es einem schwindlig wird. Er hatte nicht mal Zeit für ein Leckerchen, mit dem ich ihn in eine Richtung lenken wollte. Die ganze Energie, die sich in der engen Küche aufgestaut hat, muss halt irgendwo hin.
Dann kam ein Mann mit einem anderen Beagle entgegen, da war Ghandi kaum noch zu halten. Er sprang vor und ging hoch, bellte lauthals los und wollte unbedingt zu diesem Hund stürzen, nicht aggressiv sondern interessiert. Ich fragte den Mann erst mal (schließlich soll Ghandi krank sein), der hatte aber nichts dagegen und so beschnupperten sich die zwei freundlich und wedelten umeinander rum. Nach ein paar Worten gingen wir weiter, Ghandi wieder ungebremst wie zuvor, auch bergauf, immer volle Power.
Gehustet hat er kein einziges Mal, er macht auch überhaupt keinen kranken Eindruck. (Der Hund meiner Bekannten hatte mal einen fiebrigen Infekt, fraß ein paatr Tage schlecht und schlief viel, das sah ganz anderes aus.) Ein Stückchen sind wir sogar gejoggt, ich wollte mal sehen, ob ihm das Spaß macht. Eigentlich schon, aber leider nur so lange, bis der nächste interessante Duft in die lange Beaglenase stieg, dann schlug er wieder so einen Haken und war nicht zu abzulenken, b is er sein Beinchen darüber gehoben hatte.
Zurück im Haus stürmte er wieder in seine Küche, wollte wohl noch die Reste verwerten, aber dafür kam er etwas zu spät. So verwandelte sich der wilde Feger ganz schnell wieder in den bekannten Kampfschmuser, der garnicht genug gestreichelt und gekrault werden kann.
Als ich schließlkich fragte, wann ich wieder kommen könnte, meinte der Chef "ja vorerst muss er noch seine Tabletten nehmen, da soll er nicht so viel raus, vielleicht am nächsten Wochenende". Interessante Antwort, da weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Bleibt Ghandi nun die ganze Woche in dieser Küche??? Ich fragte, wie er denn die Fahrt zum TA überstanden hatte, ob er freiwillig in die Box geht und gern Auto fährt, kam nur "der hat ja vor nichts Angst, das ist ein richtiger Hund". Kein Wort was der TA sagte, soviele Fragen wie ich beim Telefonat am Vortag gestellt hatte, wollte er wohl nicht wieder hören.
Nebenan klingelte das Telefon, im Rausgehen hörte ich die Frau "ja, der ist noch bei uns. ... Wir sind immer so gegen 17 Uhr hier, dann können Sie vorbei kommen." Könnte natürlich auch um einen anderen Hund gegangen sein, aber das bezweifle ich. In der Wartezeit sind wir auch um die Zwinger gegangen, um mal die anderen Hunde zu sehen. Viele große Schäferhund- oder Rottweilermixe, an jedem 2. Zwinger steht "unvermittelbar" neben dem Namen, ohne weitere Begründung.
Mein Fazit diese ersten Ausgangs: Ghandi ist ein lieber Hund mit Potential, aber er braucht dringend eine geduldige und konsequente Erziehung, auch eine guten Hundeschule, die leider bei Null anfangen muss. Der Kleine kann nichts dafür, dass ihm seine Menschen offenbar nichts beigebracht haben und in seiner jetzigen Unterkunft wird er nichts dazulernen. Höchstens, dass man sich die Brötchen nicht vom Tisch holen muss, wie es manche freche Beagle tun. Einem artigen mit sanftem Blick werden sie ja angereicht

Wie ich gesehen habe, sind doch einige von euch Fories aus der Gegend. Habt ihr nicht Lust, ihn mal als "Interessenten" zu besuchen? Zum einen um meinen - natürlich sehr subjektiven- Eindruck von diesem Tierheim zu korrigieren, zum anderen würde es mich interessieren, was man euch zum Thema Gesundheit und Ausgehen dürfen erzählt. Aber seid gewarnt, im Katzenhaus stinkt es wie im Raubtierhaus im Zoo.
Was haltet ihr von diesem Vorschlag? Eure Antworten würden mir auch die Wartezeit etwas verkürzen. Bin schon gespannt was ihr meint!